Ich habe nie das gemacht, was in der Schule verlangt wird...

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Ich habe nie das gemacht, was in der Schule verlangt wird.

In der Werbung wird gesagt, dass man aus Fruchtzwergen Eis machen kann - man steckt einen mitgelieferten Plastikstab rein, stellt sie ins Gefrierfach und wartet, bis sie gefroren sind. Super! Als wir Kinder waren, haben wir uns nicht sagen lassen, welche Experimente wir machen sollten. Ich erinnere mich, dass wir Schokolade in Raspeln gerieben haben, in Milch eingerührt und ins Gefrierfach geschoben haben. Daraus wurde super-leckeres Schokoladeneis. Dann wollte ich mein Lieblingseis machen, Zitroneneis. Daraus habe ich gelernt, dass Milch ausflockt, wenn man Säure hinzugibt. Daraus ist das nächste Produkt geworden: Nimm ein bisschen Milch, schütte Zitronensaft hinein, gieß das Ergebnis durch ein Handtuch - und im Handtuch sammelt sich ... Zitronenkäse! Und Zitronenkäse ist, wie man leicht versteht, eine echte Erfindung von mir. Vielleicht haben andere diese Erfindung auch gemacht, aber ich bin unabhängig von ihnen draufgekommen. Ich bin ein Erfinder, weil ich vom vorgegebenen Weg abgewichen bin.

Mein Punkt ist jetzt, dass viele solche Erfinder existieren und existierten. "Vor allem existierten" und "früher war alles besser" höre ich jetzt ein paar Leute in meinen Gedanken sagen. Ja, Bertha Benz musste auf der ersten Automobilfahrt der Geschichte ihr "Auto" mit einer Hutnadel flicken.

So offensichtlich dieser Einwand ist, denke ich doch, dass er falsch ist. Mehr Improvisation kann ja nicht nur mehr Erfindungsgeist beweisen, sondern auch schlechtere Technik.

Improvisation, Erfindergeist und mangel an Ausgereiftheit sind also nicht so einfach zu unterscheiden. Ebenso sind Erfinder nicht so leicht von den anderen zu unterscheiden sind. Mehr noch, die Unterteilung in "Erfinder" und "die anderen" ist eigentlich so schwierig, dass sie zumindest mehr Komplexität in die Diskussion reinbringt, als sie auflöst. Jeder kommt mal auf eine neue Idee. Der Begriff ist unscharf und widersprüchlich. Erfinder sind besser in der Schule, weil sie intelligenter sind. Erfinder sind schlechter in der Schule, weil sie nicht vorgegebenen Wegen folgen.

Ich denke, dass Menschen, die einmal in einem Bereich frei gedacht haben - ich schreibe "in einem Bereich", um nicht wieder die schwarz/weiss Darstellung zwischen "denen" und "den anderen" aufkommen zu lassen - davon verführt werden, und es ihnen automatisch schwierig wird, Regeln zu befolgen. Ich denke, dass ist der Kern von Platos Höhlengleichnis. Und ich denke, das ist der Grund, warum gute Köche nicht in Schnellrestaurants arbeiten.

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