Philosophie/Einsamkeit

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"Warum gibt es so wenige da draußen, die so sind wie wir", hat er mich gefragt. Eine schwermütige Frage. Eine selbstbezogene, hochm¨tige Frage. "Warum sind die normalen Menschen mit dem normalen Leben so zufrieden", sollte die Frage vielleicht besser heißen. Warum gibt es nicht öfter den Aufschrei einer einsamen Seele ? Nur, wer die Sehnsucht kennt, weiß, was ich leide schreibt Goethe im Wilhelm Meister. Um diesen Artikel verständlich zu machen, muss ich zunächst einmal klären: Einen Aufschrei wonach denn ? Und genau da beginnt die Schwierigkeit. Bei einem Aufschrei, wie er hier gemeint ist, handelt es sich ja immer um das Empfinden eines Mangels. Hier ist es der Mangel an Poesie im Leben. Poesie kann vieles sein. Poesie ist Sehnsucht, wenn die rationalen Menschen sagen: "Es ist eben vergangen". Poesie ist Liebe, wo die Spießer nach Nutzen suchen.


Mensch-Sein heißt naturaliter Getrennt-Sein: immer ist es der Mangel, der uns als zur Gattung Mensch gehörig, auszuzeichnen scheint. Erst im Begegnet-Werden vermttels eines Anderen, nicht zu mir Gehörenden, erfahre ich die Grenze meines Seins, erfahre somit, dass ich als grenz-wertiges Wesen immer schon das Gegenüber vorausgesetzt denken muß. Jener Aufschrei der Sehnsuht also ist das genuin menschlichste, wessen der Mensch sich ent-äußern kann. Im Mangel offenbart sich allerdingst noch eine zweite Komponente, nämlich diejenige des Bezogen-Seins auf einen anderen.

Eine Bekannte von mir hat einmal gesagt, sie würde beim Aufgeben einer Kontaktanzeige auch die Körpergröße als Kriterium nennen. Mehr als 10 cm Unterschied dürften da doch nicht sein. Welch ein Unsinn! Wie "normal" gedacht! Da empfindet der Mensch einen Mangel, eine Sehnsucht, nicht alleine zu sein. Das zeichnet ihn erst als Mensch aus. Und was macht er - beginnt, seinen Mangel zu reglementieren. Wie unnötig!