Philosophie/Gedanken

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Wahrheiten und ihre Hinterfragung

            qwerty
Kolumbus -<
            breite einer Rakete

Komplexität

Reduzieren durch

  • Hierarchie
  • Outsourcing
  • 80/20 Regel
  • Weglassen

Siehe auch genau Hinschauen, convenience products, "Stephen-King-Prinzip"

Genau hinschauen

Wenn wir nicht genau hinschauen, haben manche Dinge keine Bedeutung. Wenn wir aber genau hinschauen, verlieren manche Dinge ihre Bedeutung, so wie der Begriff der "Wasseroberfläche seine Bedeutung verliert, wenn wir die Wassermoleküle betrachten.

Höhenflucht

Heute habe ich ein Buch von Joachim Fernau gelesen, "Sprechen wir über Preußen", er schreibt darin von "Höhenflucht" - ich gebe es hier einmal so wieder, dass es viele Menschen, speziell in den Parlamenten gibt, die mit ihrem einfachen Leben nicht zurecht kommen, und deshalb versuchen, sich im "höheren" Leben, bspw. der Politik, zu bewähren. Das ist natürlich ein Hauptkritikpunkt an der Demokratie.

Chronik I

Ich moechte eine Chronik unserer Familie schreiben. Dazu besuchte ich meine Tante und interviewte sie ueber ihr Leben.

Meine Tante wurde 1913 geboren, in eine unruhige Zeit hinein. Sie hat zwei Weltkriege, eine Weltwirtschaftskrise und ein Wirtschaftswunder erlebt. Nebenbei hat sie ihre drei Kinder grossgezogen und ihren Mann auf seinen beruflichen Reisen begleitet. Ihr Mann und sie sind in ihrem Leben 13 mal umgezogen. Meine Tante traf ihren spaeteren Mann mit 20 Jahren, 1932 oder 1933, auf einer Burschenschaftsfeier in ihrer Heimatstadt Darmstadt. Mein Onkel studierte dort Ingenieurwesen. Sie verabredeten sich fuer den folgenden Tag. Meine Frage: wofuer habt ihr euch verabredet ? In einer Disco wird es damals wohl nicht gewesen sein, wo dann ? In einem Cafe ? Die Antwort: nein, wir haben uns zu einem Spaziergang verabredet. Ihre beste Freundin war auch dabei. Sie hat noch gesagt " der war so betrunken, der wird sich bestimmt nicht mehr daran erinnern". Daran sehe ich: es gab damals keine Discotheken, man hatte nicht genug Geld fuer Einladungen in Cafes, aber Alkohol gab es schon immer. Sie heirateten spaeter, er hatte Glueck und musste nicht in den Krieg. Als Ingenieur, der aus deutscher Kohle Benzin synthetisieren konnte, war er unabkoemmlich. Der Krieg brachte es mit sich, dass die Armee einen enormen Durst nach Benzin hatte, und dieser Durst konnte nicht durch importiertes Oel gedeckt werden. Dafuer baute mein Onkel Hydrierwerke, Fabriken, in denen deutsche Kohle zu Benzin gemacht wurde. Das Hydrierwerk, in dem er am Ende des Krieges arbeitete, befand sich bei Leipzig in Sachsen.

Chronik II

Ich moechte eine Chronik unserer Familie schreiben. Dazu besuchte ich meine Tante und interviewte sie ueber ihr Leben.

Meine Tante wurde 1913 geboren, in eine unruhige Zeit hinein. Sie hat zwei Weltkriege, eine Weltwirtschaftskrise und ein Wirtschaftswunder erlebt. Nebenbei hat sie ihre drei Kinder grossgezogen und ihren Mann auf seinen beruflichen Reisen begleitet. Ihr Mann und sie sind in ihrem Leben 13 mal umgezogen. Meine Tante traf ihren spaeteren Mann mit 20 Jahren, 1932 oder 1933, auf einer Burschenschaftsfeier in ihrer Heimatstadt Darmstadt. Mein Onkel studierte dort Ingenieurwesen. Sie verabredeten sich fuer den folgenden Tag. Meine Frage: wofuer habt ihr euch verabredet ? In einer Disco wird es damals wohl nicht gewesen sein, wo dann ? In einem Cafe ? Die Antwort: nein, wir haben uns zu einem Spaziergang verabredet. Ihre beste Freundin war auch dabei. Sie hat noch gesagt " der war so betrunken, der wird sich bestimmt nicht mehr daran erinnern". Daran sehe ich: es gab damals keine Discotheken, man hatte nicht genug Geld fuer Einladungen in Cafes, aber Alkohol gab es schon immer. Sie heirateten spaeter, er hatte Glueck und musste nicht in den Krieg. Als Ingenieur, der aus deutscher Kohle Benzin synthetisieren konnte, war er unabkoemmlich. Der Krieg brachte es mit sich, dass die Armee einen enormen Durst nach Benzin hatte, und dieser Durst konnte nicht durch importiertes Oel gedeckt werden. Dafuer baute mein Onkel Hydrierwerke, Fabriken, in denen deutsche Kohle zu Benzin gemacht wurde. Das Hydrierwerk, in dem er am Ende des Krieges arbeitete, befand sich bei Leipzig in Sachsen. Das Werk hatte mehr Flak als Berlin. Als der Krieg zu Ende ging, wurde mein Onkel dann in den Harz zur Wehrmacht einberufen. Er fuhr mit dem Fahrrad dort hin, dort war aber niemand, der ihn einziehen hätte wollen. Also fuhr er wieder zurück. Dann kam das Kriegsende. Er hat damals gesagt, im Hydrierwerk hätten sie noch genug Benzin gehabt, um eine Weile noch Krieg zu spielen. Die Amerikaner besetzten das Land, danach kamen die Russen. Die Amerikaner fuhren mit Lautsprecherwagen durch die Städte und verkündeten, sie würden niemals Leipzig den Russen überlassen. Damit sollte eine Massenflucht verhindert werden. Mein Onkel fuhr mit dem Fahrrad nach Alzey zu seinem Vater und seinem Bruder. Man muss sich das einmal vorstellen: Du fährst mit dem Fahrrad 500 km, um festzustellen, ob deine Familie noch lebt. In Alzey hingen in allen Schaufenstern Informationen, wie Deutschland aufgeteilt werden würde, incl. zukünftige DDR. Mein Onkel fuhr zurück nach Leipzig und veranlasste die Flucht von Frau und Kindern.

Wirtschaftskrise

Ich bin Informatiker. Ja, die Zeiten ändern sich. Die ganze Branche ist in eine Krise gerutscht. Aber soll ich euch was sagen ? Es ist gut so.

Vor 3 Jahren konnte ich vor Selbstgerechtigkeit nur so strotzen. Alle, die was anderes studiert hatten, hatten eben was falsch gemacht, und ich war einer von denen, die alles richtig gemacht hatten. Und irgendeinen Job würde ich immer kriegen. Heute ist das anders. Heute ist das schöner. Es bedeutet plötzlich wieder was, einen Beruf zu haben, das ist nicht mehr selbstverständlich. All die naseweisen Typen, die ihre Karriere hauptsächlich der Tatsache verdankten, dass sie Informatik gewählt hatten, wovon sie nichts verstanden, sind auf einmal verschwunden. Und es ist wieder spannend geworden, ob man überhaupt in der Form besteht, wie man es von sich selbst verlangt.


Schaffen wir Arbeitsplätze

OK, ich werde mal den Fehdehandschuh von Camjar aufnehmen und mich auch politisch äußern

Aktuell informiert wie die deutsche Politik ist, hat sie bereits heute das seit den 60er Jahren auftretende Problem der Arbeitslosigkeit erkannt. Die Vorschläge zu deren Lösung gleichen aber eher einem Schildbürgerstreich als einer durchdachten Wiederherstellung der Verhältnisse aus Wirtschaftswunderzeiten.


positives Beispiel

Zuerst ein Beispiel für ein gelungenes Schaffen von Arbeitsplätzen. Als Carl Benz und Gottlieb Daimler 1886 sich ihren Lebenstraum erfüllten, und den von Nikolaus August Otto erfundenen Motor auf eine Kutsche setzten, die fortan automatisch mobil war, da schufen sie Arbeitsplätze. Sie schufen die Arbeitsplätze deshalb, weil sie ihren Angestellten Geld für ihre Arbeit zahlen konnten, das sie zuvor von ihren Kunden freiwillig erhalten hatten. Die Kunden zahlten deshalb, weil sie sich für sich selbst eine Erleichterung versprachen, und weil sie ihre Pferdeknechte in die Arbeitslosigkeit schicken konnten.

Letzterer Punkt hat übrigens einen gewissen Karl Marx dazu verleitet, ein überaus überflüssiges Buch zu schreiben.

Dennoch bildete sich kein Proletariat im Land. Warum ? Das Geld, was die Autokäufer durch ihren Kauf im Pferdestall sparten, ging ja der Wirtschaft nicht verloren. Die Autokäufer hatten lediglich mehr Geld für andere Güter, was wiederum im gleichen Maß Arbeitsplätze schuf, wie sie vorher verloren gegangen waren. Vielleicht wiederum in neuen Technologieen. Selbst wenn sie das Geld sparten, investierte (nicht konsumierte) ihre Bank das Geld ja wiederum für sie und schaffte damit wieder neue Arbeitsplätze.

Das Entscheidende an der Erfindung des Automobils war doch, dass es nicht einfach mehr Arbeit gab, sondern mehr sinnvolle Arbeit, also Arbeit, die von einigen Leuten so geschätzt wurde, dass sie freiwillig bereit waren, dafür Geld auszugeben.

Mir geht bei der Beoabachtung von Diskussionen über Politik (vergesst nie, dass das Kabinett zwar noch ein höheres Durchschnittsalter hat als Deutschland, aber keine einzige Person, die aus der freien Wirtschaft kommt) immer ein Vorschlag von mir durch den Kopf. Den habe ich bisher noch nicht geäußert, weil ich Angst habe, dass er realisiert wird. Er ist mein

negatives Beispiel

Mein Vorschlag ist die einfachste Möglichkeit, Arbeitsplätze zu schaffen: Verpflichtet die Leute einfach, Löcher zu graben und dann wieder zu zu schütten. Am besten, die Unternehmen werden dazu verpflichtet, die Leute zu bezahlen.

Wieso keine gute Idee ? Die Arbeitslosigkeit wird dadurch vollständig beseitigt.

OK, ich gehe mal davon aus, dass ihr alle die Sinnlosigkeit eines solchen Vorschlages versteht. Lasst mich mal in meinen Worten sagen, warum der Vorschlag sinnlos ist: Er bringt zwar mehr Arbeit, aber nicht mehr sinnvolle Arbeit. Er kostet zwar keine Steuern, aber er macht auch Steuererhöhungen unmöglich, denn die Unternehmen werden dadurch noch mehr belastet, und jedes Unternehmen hat eine Grenze, über die hinaus es nicht belastet werden kann, wenn es im Inland wachsen soll.

Fazit

Wenn es um die Bakämpfung von Arbeitslosigkeit geht, lasst uns endlich über sinnvolle Mehrarbeit reden. Sinnvolle Mehrarbeit ist etwas sehr Egoistisches: Im obigen Beispiel wurde sie geschaffen von Menschen, die sich ihren Lebenstraum erfüllen wollten (wie egoistisch) und finanziert von Menschen, die für sich eine höhere Bequemlichkeit suchten. Mehrarbeit einfach nur so aber ist für niemanden, wie eine Grube ausheben und sofort wieder zuschütten. Innovation zerstört keine Arbeitsplätze, sondern macht sie menschenwürdiger (es gibt heute keine "Pferdeknechte" mehr, die unter den damaligen Bedingungen leben müssen).

Anwendung auf heute

Misstraut allen Leuten, die sagen, etwas, was jedem zur Last falle, "schaffe Arbeitsplätze". Vergesst das Argument, das Mautsystem für Autobahnen sei innovativ. Es bringt so gut wie nichts im Vergleich zur Vignette, und es wird nicht bezahlt, weil Kunden da sind, die sich davon eine Erleichterung versprechen, sondern, weil wir alle dazu gezwungen werden.

Sicher bringt es Arbeitsplätze, aber die Frage muss doch lauten: Wie viele Arbeitsplätze könnten sicherer gemacht werden mit dem Geld, wenn die Unternehmen das Mautsystem nicht durch überhöhte Steuern bezahlen müssten.

Misstraut denen, die sagen, wir bräuchten eine Bundesanstalt für Arbeit. Überlegt euch, was es euch kostet, und was es euch bringt. Als Vermittlung sind die Arbeitsämter ein Witz, wenn ich nicht gezwungen wäre, mit ihnen umzugehen, würde ich sie als Zeitverschwendung ablehnen. Einem Kollegen haben sie mal eine Umschulung zum Frisör angeboten :)

Bleibt noch die Funktion als Arbeitslosenversicherung. Dazu muss man wissen, dass man garnichts kriegt, wenn man kürzer als ein Jahr versichert ist, und niemals länger als ein Jahr Leistungen bezieht. Also, ich habe bereits jetzt mehr eingezahlt als ich kriegen werde, wenn ich für den Rest meines Lebens arbeitlos sein sollte. Das Geld hätte ich besser aufs Konto gelegt. Wenn ich nicht dazu gezwungen wäre, würde ich bei so einer Versicherung natürlich nie bleiben. Eher würde ich eine Firma dafür bezahlen, Löcher zu buddeln und dann wieder zu zu schütten, dann wäre der Garten wenigstens umgegraben.

Ausblick

Warum aber gibt es Schwankungen in der Arbeitslosenstatistik, und was können wir dagegen tun ? Das wird das Thema meines nächsten Essays, fragt mich nach dem Datum, dann sag ich eines ;-)

Was ist Aufklärung

Philosophie eben Was ist Aufklärung?

Gerade eben diese Frage erschien in den Berliner Monatsblättern vor über 200 Jahren! Immanuel Kant versuchte sich einer Antwort, die auch seither immer noch im Gehör verbleibt! Doch was ist Aufklärung heute? Immer noch der Weg aus der selbstverschuldeteten Unmündigkeit? Leben wir nicht im Schatten derselben und ist nicht vielmehr die Aufklärung zur Verklärung ihrer einstigen ideale mutiert? 
Ich stelle die Frage erneut: 

Was ist Aufklärung?

Elite Universität

Es graut dem arglosen Beobachter politischen Zeitgeschehens bei nebulösen Themata wie "Eliteuniversitäten in Deutschland". Eine herkömmliche Universität mit ein paar Finanzspritzen aufzubessern ist eine Seite der Medaille, sie daraufhin Eliteuniversität nennen zu dürfen, aber ratio völlig Umnebelter. Zu genannter Sorte von Universitäten zählen neben Traditionsbewußtsein, hart erarbeitetes Renommé und individuelle Betreuung. Lebendige Tradition ist schwerlich vermöge einer Reform von oben herzustellen!


Weitere Anregungen zum Thema sind erwünscht!!

Diese Schwulen

Philosophie eben Vor Kurzem habe ich wieder einmal eine jener intelektuellen Hochleistungen von Talkshows in Augenschein genommen. Da hat ein Taxifahrer davon erzählt, wie eklig und unnatürlich es doch aussehe, wenn Menschen der gleichgeschlechtlichen Liebe frönen.

Ich gebe ihm recht. Ich kann es mir garnicht vorstellen, schwul zu sein, und finde auch den Gedanken, dies zu werden, nicht appetitlich.

Und da ich mir nicht vorstellen kann, so zu sein, bin ich eben tolerant. Die Schwulen können sich sicherlich auch nicht vorstellen, umgepolt zu sein, und finden das, was Heteros tun, eben unappetitlich.

Ein Wechsel der Neigungen ist nicht möglich, das kann ich mir jedenfalls nicht vorstellen. Daher hier mein Plädoyer zu mehr Toleranz (speziell jetzt gerichtet an die älteren Semester).

Meine Bücher

Hier die Bücher, die ich in letzter Zeit gelesen habe und, was ich davon halte.

Christiane F.: Wir Kinder von Bahnhof Zoo

Zuerst gekauft als ein Buch, von dem ich erwartete, dass man daraus Mut schöpfen kann, dass hier gezeigt wird, was möglich ist, wenn man nur leben will usw. entwickelte sich das Buch als ein Vertreter der Null-Bock-Generation: Kein Bock auf zu Hause -> Flucht in die Drogenszene -> Absturz -> erzwungene Flucht aus der Drogenszene -> wieder keine Perspektive. Bezeichnend ist, wie das Buch endet: Mit der Vorstellung, sich völlig von der Gesellschaft abzuschotten, und dem Satz (sinngemäß) "So, dass wir nie wieder zurück kommen könnten. Wir hätten auch gar keine Lust dazu.". Einfach eine Flucht, wie man sieht, eine Flucht vor der Gesellschaft, den Drogen, und vor sich selbst. Die Drogen aber werden gerne genommen, und zwar aus der Hand der Gesellschaft, solange man nicht auf der Flucht vor eben diesen ist.
Kein "Ich habe es geschafft, weil ich es wollte", nein, sie wollte sich umbringen, ist dann von ihrer Mutter erwischt worden und gezwungen worden, zu entziehen. Dann sitzt sie da bei Hamburg und hat immer noch keine Perspektive und keine Freude am Leben. Eine echte Millieubeschreibung, und zwar für das Millieu eines Spießers, der immer nur flüchtet. Überrascht hat mich, wie viel über materialistische Dinge geredet wird. Die ersten paar Seiten sind gefüllt mit einer genauen Bestandsaufnahme der Besitzverhältniss der Familie, und ich glaube nicht, dass dieser Anfang von den Stern-Redakteuren in die Wege geleitet worden ist, die damit Stimmung für das linke politische Lager machen wollten. Überrascht hat mich auch die immer wiederkehrende Schilderung der antiautoritären Haltung der Mutter. Hier aber vermute ich gerade, dass von einem Journalisten dieses Buch zur Meinungsmache missbraucht wurde: Sei antiautoritär, und deine Tochter wird so enden. Man darf nicht vergessen, dass die Antiautoritäre Bewegung zu der Zeit, wo das Buch rauskam, wirklich ein bisschen übertrieb. 

Die Päpstin

Endlich einmal ein Buch, das einen in Gedanken und Vorstellungen schwelgen lässt, was alles möglich ist. Eine Frau wird im Mittelalter Päpstin. Es beruht auf wahren Tatsachen, die bis zum Zeitpunkt der Gegenreformation allgemein annerkannt waren. Leider ein wenig typisch amerikanisch polarisierend geschrieben. An den Gegnern der Päpstin wird kein gutes Haar gelassen, sie werden alle als Idioten dargestellt. Dass dadurch die Päpstin selbst abgewertet wird, wird natürlich getrost übergangen. Dafür liest es sich flüssig. 

Liquide

Ein unerhörtes Porträt auf die Zeit nach dem .com-Hype. Sehr amüsant zu lesen, spart nicht damit, auch die Helden des Buches selbst in Zweifel zu ziehen, eben ein deutsches Buch. Ist aber flüssig zu lesen und damit was anderes als die Totschlag-Wälzer gewisser Literaturnobelpreisträger, bei denen man schon Literatur studiert haben muss, um deren Bücher lesen und verstehen zu können. 
Ein Abschiedsgruß an eine zerstörte Blase falscher Hoffnungen, nach dem Motto "endlich ist es vorbei".

Spießer

Philosophie eben Ein kleiner Essay (im Sinne von Versuch) über Spießbürger.

Ein weiteres Thema, über das ich mich mit Camjar gerne auslasse, ist das der Spießer. Früher dachte, ich, mit dem Begriff Spießer würden hart arbeitende Leute mies gemacht, für die man sonst keine negativen Attribute finden könne. Mittlerweile ist der Begriff für mich eines der schlimmsten Schimpfworte, wobei die Problematik seiner Anwendung in dessen Unschärfe liegt. Deshalb möchte ich mich hier an einer kleinen Begriffsklärung versuchen. "Der Spießbürger sitzt samstags abends vor dem Fernseher" habe ich einmal gehört. Schopenhauer schimpfte in seinen "Aphorismen zur Lebensweisheit" auf den Philister, den amusischen Mensch. Das kommt Sokrates sehr nahe, der denselben Typ Mensch als "Banause", als "Handwerker" bezeichnete. Trotzdem möchte ich hier den Ansatz der Erklärung des Spießbürgers als "amusischen Mensch" fallen lassen, so weit sich auch der Begriff "amusisch" fassen lassen mag. Seit ich während meiner Studentenzeit dauerhaft mit anderen Nachbarn Kontakt gehabt habe, hat sich mein Begriff vom Spießer verändert. Vorher hielt ich ihn für einen Begriff, um hart arbeitende mies zu machen, nun war es Realität, dass ich mit Menschen in Kontakt kam, die sich ihr ganzes Leben lang in ihr geistiges Schneckenhaus zurück gezogen hatten. Diese Beschreibung hat natürlich aufgrund ihrer Subjektivität eine große Unschärfe, und darum möchte ich mich an einer Begriffsklärung versuchen. Als erstes bemühte ich Hegel und sagte "Diese Leute, die ich für Spießer halte, sind unwillig, der These, nach der sie Leben, eine Antithese entgegen zu stellen, um zu einer Synthese zu gelangen.". Mit Camjar habe ich hier ein sehr gutes Telefonat geführt. Er legte die Betonung weniger auf die Dialektik und mehr auf die Begeisterung - auch eine Form von Muße, oder ? Seine Definition lautete: "Der Spießer ist der Mensch, dessen geistige Flamme nicht von selbst brennt, der also nur durch Lohn und Strafe zu einer Verhaltensänderung oder Nachdenken gezwungen wird, und bei dem freiwillige Reflexion nicht stattfindet. Die Fragestellung "Was bedeutet mein Handeln im Kontext der Welt?" findet also garnicht statt, stattdessen ein "handwerkliches", zielgerichtetes Denken der Form "Wie kann ich mein Wohlbefinden steigern". Dieses Denken ist nun keineswegs zu verurteilen, lediglich halte ich es mit Menschen dieser geistigen Bauart im Normalfall keine zwei Stunden aus. Ganz im Sinne von Hegel versuchte sich Camjar dann an einer Vereinigung unserer beiden Theorieen, was wunderbar klappte. Ein Spießer ist ein Mensch, der nicht freiwillig (ohne äußere Anreize) nachdenkt und so auch nicht versucht, seine Lebenthesen weiterzuentwickeln.  Daraus folgt eine Angst vor Antithesen statt einer Lust an der Synthese.

Amerikanismus

Ich erlebe in meinem Beruf häufig das aufeinander treffen amerikanischer und deutscher Kultur. Es ist immer wieder spannend. Die amerikanische Kultur ist, gerade durchzulaufen und sich zu beschweren, wenn man gegen eine Wand läuft. Die deutsche Kultur kennt garnicht die Option, keinen Umweg zu nehmen.

Ich sehe es immer wieder, dass Amerikaner etwas schreiben, und Deutsche interpretieren Dinge rein, die einfach nicht so gemeint sind.

Es ist ja so einfach, sich über andere Kulturen lustig zu machen. Ja, in Amerika sind Warnhinweise auf den Mikrowellen, dass man keine Hunde reinstellen soll. Aber, und das wird häufig vergessen, die Technik ist eben so narrensicher, dass jede weitere Beschreibung garnicht nötig ist.

Regeln

Jeder Mensch hat so seine eigenen inneren Epochen, "Vibes" genannt. Meine Epoche, in der ich mich gerade geistig befinde, würde ich bezeichnen (im Gegensatz zu früheren Epochen) als die "Abschaffung unnützer Regeln".

Als ich in Mannheim studiert habe, bin ich jeden Morgen durch das Stadtzentrum nach Ludwigshafen gefahren. Irgendwann stieg ich auf das Fahrrad um, denn die Straßen waren jeden Morgen bis zum geht- nicht-mehr verstopft. Bis auf einen Morgen, da waren die Straßen mit einem Schlag frei. Keine schlechte Laune, kein Gehupe, kein Stress. Was war passiert ? Ferienzeit, Fussballweltmeisterschaft ? Weit gefehlt. Es war Stromausfall, und die Ampeln waren ausgefallen. Das brachte mich doch zum Nachdenken. Wofür, bitte schön, sind Ampeln nochmal gut ? Sie sollen es ermöglichen, dass auch Verkehrsteilnehmer untergeordneter Straßen sich in angemessener Zeit in den Verkehr einfädeln können. Sie sollen also, letztlich, Zeit sparen. Was auch immer der Sinn einer Ampel ist, eine freie Strecke , wo jeder in seine Richtung fahren kann, ist besser, als eine Ampel. Hier haben wir nun das Musterbeispiel eines Systems, das optimal lief, dann "von oben" Regeln aufgedrückt bekam, und immer überlastet war. Die Ampeln stehen für eine Regulierungsmaßnahme zur Optimierung des Straßenverkehrs. Und sie waren nötig, das sah man an dem allmorgendlichen Stau. Und es waren eigentlich noch mehr Ampeln nötig, um den Verkehr länger aus der Stadt heraus zu halten, fern von dem Stau. Doch dann fielen die Ampeln mit einem Mal aus. Alle. Und der Verkehr funktionierte zum ersten Mal optimal. Dabei waren doch die Ampeln für die Optimierung des Verkehrs aufgestellt worden. "Die Blechlawine" brauchte auch nicht mehr aus der Stadt herausgehalten zu werden, da jedes auftauchende Auto sofort in der Straßenvielfalt versickerte. Auch die Sicherheit war mehr gegeben, es gab kein Hupen und keine Nervosität mehr.


Eine der sicherlich schönsten Eigenschaften von Regeln ist, dass sie sich wie ein Bumerang gegen den richten können, der sie erschaffen hat.

Ein schönes Beispiel für eine Regel, die zur Farce wird und sich gegen den Urheber richtet, ist im politischen Bereich die Rente. Sie wurde einst eingeführt, damit die Bürger nicht zu viele Kinder zeugen mussten, um im Alter überleben zu können. Also, um den Bevölkerungsstand einigermaßen am explodieren zu hindern. Nun, einige Wirrungen und vor allem Irrungen später, ziemlich genau 100 Jahre, ist das Rentensystem kaputt, weil es - über die Gesamtbevölkerung betrachtet - zu wenig Kinder gibt. Anstelle aber nun die Rente zurück zu fahren oder aufzugeben, wird mit einem enormen Aufwand versucht, durch eine Kinderprämie denjenigen eine höhere Rente zu geben, die Kinder kriegen. Damit haben wir wieder genau die Situation vom Ende des letzten Jahrhunderts, mit dem einzigen Unterschied, dass der Staat uns bevormundet, dass wir verpflichtet sind, in eine Rentenversicherung einzuzahlen, von der sicher keiner von uns überzeugt ist. Eine ganz ähnliche Situation beobachte ich immer wieder auf der individuellen Ebene. Die Leute setzen sich irgendwelche wirren Regeln für ihren Partner, den sie suchen. Er darf nicht größer als 1.90 Meter sein / er muss braune Augen haben / er darf kein Ausländer sein. Ich frage mich immer, was diese Menschen machen, wenn sie dem begegnen, bei dem das Suchen ein Ende hat - sprich, ihren Seelenverwandten, ihren Traumpartner. Was, wenn er Ausländer ist, 1.91 Meter groß mit blauen Augen - und die beiden einfach für einander bestimmt sind ? Man könnte vermuten, die Leute würden dann ihre Regeln, die sie zuvor gemacht, über Bord schmeißen, aber ich habe die schlimme Befürchtung, dass sie dies nicht tun werden. Warum hätten sie sonst diese Regeln gemacht ? Das alles ist wirklich passiert, und zwar so, wie hier geschildert. Zu diesem Thema werde ich demnächst noch mehr schreiben

Eine Religion, im Mittelpunkt eine Folterszene

In "Nachtzug nach Lissabon" sagt eine Figur, sie könne sich nicht mit einer Religion anfreunden, "in deren Mittelpunkt eine Folterszene" stehe. Gemeint ist natürlich das Christentum. Man stelle sich vor, so diese Person weiter, man hätte als Todeswerkzeug einen Galgen gewählt oder eine Guillotine. Wie sähen dann unsere heutigen Religionssymbole aus ?

Ich denke aber, dass das so gewollt ist. Es ist eine Eigentümlichkeit der Welt, dass das Heilige und die Schande nahe beieinander liegen. Der Teufel ist nicht umsonst ein gefallener Engel. Das eigentlich Erstaunliche an der Jungfrauengeburt ist, dass auch sie die Schere zwischen Heiligkeit und Schande aufweist: Maria gebar Jesus, und Jesus ist der Gründer der christlichen Religion. Sein Vater war aber nicht Josef. Das läßt zwei Schlüsse zu, einen sehr heiligen und einen sehr schändlichen. Wenn man daran glaubt, verstärkt die Jungfrauengeburt noch die Gottesähnlichkeit Jesu. Wenn man nicht daran glaubt, geht die Vaterschaft aber eben nicht auf Josef über, sondern Jesus wird zum Bastard. Die Schere zwischen Glauben und Unglauben ist weit. Genauso verhält es sich mit dem Folterwerkzeug als Religionssymbol. Man kann es als abstoßend empfinden, oder aber, man versteht, dass genau dieses abstoßende Symbol verrät, was im Glauben der Christen geschehen ist: Der Tod und das Sterben wurde überwunden.

Dabei handelt es sich fast um ein die Geschichte durziehendes Muster: Romulus und Remus wurden auch von einer "Lupus" aufgezogen. "Lupus" heißt Wölfin, es kann aber auch Hure heißen. Ein unbekannter Bildhauer machte dann aus dem Zweifel eine (scheinbare) Gewissheit für die positive Deutung: http://de.wikipedia.org/wiki/Kapitolinische_Wölfin. Auch hier sehen wir etwas sehr Positives (das Wunder, dass die beiden von einer Wölfin aufgezogen wurden) angrenzend an etwas sehr Negatives (die Hure).

Ich meine, nichts auf dieser Welt ist rein. So wie es kein reines Gold gibt (nur 99%iges), gibt es auch keine reine Gabe. Gold enthält immer Schmutzpartikel. Jede Geschichte über etwas Großes enthält eine niedere Seite. Jede Tugend trägt schon den Keim ihrer Entartung in sich: Tapferkeit den Leichtsinn, Lauterkeit die Unvorsichtigkeit, Interesse die Oberflächlichkeit.

Damit wiederum meine ich, es ist schwer, die Dinge zu trennen, und das ist ein Muster, das sich durch die ganze Welt zieht. Bei der Gartenarbeit merke ich, dass es schwer ist, die Wurzeln einer Planze von der sie umgebenden Erde zu trennen. Man laesst immer Erde dran oder entfernt faelschlicherweise Wurzeln. Das gleiche Problem habe ich, wenn ich versuche, ein Computer"modul" zu schreiben: entweder ich schreibe es so, dass es "modular" ist und leicht in andere Programme übertragen werden kann, oder so, dass es optimal in die Applikation "eingebettet" ist. Beides gleichzeitig ist schier unmöglich.

Es kommt auf den Blickwinkel an

Wie eine "Tendenz" funktioniert, ist leicht erklärt: Wenn du am Meer bist und die Flut kommt, dann kannst du nie sagen, dass sie kommt. Die Wellen gehen einfach vor und zurück, und nicht mit jeder Welle geht das Meer weiter nach vorne. Aber insgesamt, in der Tendenz eben, geht es über den Zeitraum des Tiedenhubs weiter nach vorne. Die Flut ist etwas, was wir nur erkennen können, wenn wir nicht so genau hinschauen. Wenn wir genau hinschauen, erkennen wir die einzelnen Wellen, das heißt, wir würden alle 10 Sekunden einen Wechsel zwischen Ebbe und Flut erkennen. Das bedingt die Notwendigkeit, sich über die Dinge zu stellen. Dieses Muster ist häufig in der Welt zu finden. Zum Beispiel wird der Begriff der "Wasseroberfläche" absurd, wenn wir die Betrachtung auf der Molekülebene durchführen.